Ein Tagesausflug ins Obere Mittelrheintal & den Rheingau (Deutschland)

Kategorien: Reiseberichte, Europa, Deutschland

An einem wunderschönen sonnigen Tag im Mai, der gleichzeitig ein Feiertag war, haben wir uns aufgemacht, um unsere Umgebung etwas näher zu erkunden. Unser Tagesausflug führte uns dabei in das Obere Mittelrheintal und den angrenzenden Rheingau

Oberes Mittelrheintal Rheingau Headerbild

Das UNESCO Welterbe “Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal”

Das Obere Mittelrheintal, das sich an der Grenze der beiden Bundesländer Rheinland-Pfalz und Hessen befindet, erstreckt sich rheinaufwärts im Südosten zwischen Bingen und Rüdesheim und rheinabwärts im Nordwesten bis zur Lahn-Mündung in Lahnstein, oberhalb von Koblenz – auf einer Länge von 65 km entlang des Durchbruchstals des Rheins durch das Rheinische Schiefergebirge.

Am 27. Juni 2002 wurde die Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Damit würdigte die UNESCO diese Region als eine Landschaft von großer Vielfalt und Schönheit mit einem vielfältigen Reichtum an kulturellen Zeugnissen und künstlerischen Assoziationen. So findet man hier wunderschöne Baudenkmäler, ausgedehnte Weinberge, ca. 60 kleine Städtchen und die auf Felsvorsprüngen aufgereihten etwa 40 Höhenburgen, die während der letzten 1000 Jahre errichtet wurden. Der Inbegriff der Rheinromantik ❤

Den in der Karte rot markierten Bereich vom Oberen Mittelrheintal haben wir heute im Rahmen unserer Tagestour in 11 Stunden erkundet. Die einzelnen Sehenswürdigkeiten haben wir zudem auf folgender Google MyMaps Karte eingezeichnet.
UNESCO, Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal, Karte, Rhein, Deutschland, Reisebericht

Das Welterbe Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal

Linksrheinisch von Bingen nach Niederheimbach

Unser erster Anlaufpunkt auf der linksrheinischen Seite war die Stadt Bingen am Rhein. Von hier aus haben wir uns auf der 13 km langen Strecke bis Niederheimbach einige Sehenswürdigkeiten anschauen können.

Bingen am Rhein & der Mäuseturm

Die 27.000 Einwohner-Stadt Bingen erstreckt sich entlang des malerischen Rheinufers und bildet das Tor zum Oberen Mittelrheintal. Wir haben uns hier die zwischen 1240 und 1277 erbaute Burg Klopp angeschaut, die auf einer Anhöhe mitten in Bingen liegt. Heute befindet sich in der Burg Klopp ein Teil der Binger Stadtverwaltung, darunter das Büro des Oberbürgermeisters.

Von der Burg Klopp sieht man in der Ferne den Binger Mäuseturm, einen ehemaligen Wehr- und Wachturm, der sich auf der Mäuseturminsel mitten im Rhein befindet. Der 24 m hohe Anfang des 14. Jahrhunderts erbaute Mäuseturm erhielt seinen Namen aufgrund einer Sage, in der angeblich der Mainzer Erzbischof Hatto von Mäusen gefressen wurde.

Burg Rheinstein

Mit dem Auto ging es entlang des Rheins weiter in Richtung Norden bis zum wenige Minuten entfernten Romantik-Schloß Burg Rheinstein, das sich auf einem 90 m hohen Felssporn direkt am Rhein befindet. Wir waren noch vor Öffnung hier, sodass wir einen der Parkplätze direkt an der Straße unterhalb der Burg ergattern konnten. Für zwei Stunden kann man hier kostenfrei parken – diese Zeit reicht auch aus, um die Burg, das Museum und einen nahegelegenen Aussichtspunkt zu besuchen.

Die Burganlage befindet sich im Privatbesitz und man kann diese für einen Eintrittspreis von 6 EUR pro Person besichtigen. In der Regel erkundet man die Burg auf eigene Faust und kann sich hier anhand eines ausgeschilderten Rundgangs orientieren, für den man etwa 45 Minuten benötigt. Auf unserem Rundgang durch die im frühen 14. Jahrhundert errichtete und mittlerweile sehr schön restaurierte Burg konnten wir allerlei entdecken: Glasmalereien aus dem 14. bis 19. Jahrhundert, Wand- und Deckenfresken, antike Möbel aus dem 17. und 19. Jahrhundert, Rüstungen aus der Zeit des 15. Jahrhunderts, eine neugotische Kapelle mit Preußengruft sowie Gärten und Terrassen mit einem fantastischen Blick ins Rheintal.

Unser Tipp: Etwas oberhalb der Burganlage verläuft der Rheinburgenweg (siehe Google Maps). Es lohnt sich, diesen ein Stück in Richtung Süden zu laufen, denn nach nur wenigen Minuten erreicht man einen alten Wachturm, von dem man einen fantastischen Blick auf die Burg Rheinstein und das Rheintal hat.

Burg Reichenstein

Nur 2 km von der Burg Rheinstein entfernt befindet sich die nächste imposante, mittelalterliche Burganlage: Die auf einem Felsvorsprung und umgeben von Weinbergen liegende Burg Reichenstein nahe des Winzerdorfes Trechtingshausen. Der Eintrittspreis für die Besichtigung der Burganlage beträgt 8,50 EUR pro Person.

Die Entstehung der Burg Reichenstein lässt sich bis Anfang des 11. Jahrhunderts zurückverfolgen; die erste urkundliche Erwähnung der Burg stammt allerdings erst aus dem Jahr 1213. Die Burg Reichenstein hatte über die Jahrhunderte hinweg einen interessanten Werdegang vom Gründungsbau auf dem Grundbesitz des Klosters Kornelimünster zur Raubritterburg, zur Ruine über eine Wohnburg bis hin zum heutigen Museum. Seit 1899 ist die Familie Kirsch-Puricelli und deren Nachfahren im Besitz der Burg Reichenstein.

Bei einem Rundgang durch die Burganlage wandelt man auf den Spuren früherer Zeiten: Antike Möbel, Ahnengalerien, Knappen- und Ritterrüstungen, eine der größten Geweihsammlungen Deutschlands, Waffen und Geschütze aus der Zeit Napoleons I. sowie eine einzigartige Sammlung historischer Ofen- und Takenplatten kann man hier bestaunen. Von den Außenanlagen kann man wieder einen fantastischen Blick auf den Rhein genießen.

Burg Sooneck & die Fähre über den Rhein

Die vierte Burg, an der wir auf der linksrheinischen Seite des Oberen Mittelrheintal vorbeigekommen sind, ist die Burg Sooneck. Diese haben wir nicht besucht, sondern lediglich von einem etwas entfernten Aussichtspunkt in Augenschein genommen.

Die Burg thront oberhalb des Rheins auf dem nordöstlichen Steilhang des Binger Walds unweit von Niederheimbach. Nach der Ersterwähnung im Jahr 1271 folgten im Laufe der Jahrhunderte Eroberungen, Zerstörungen und Wiederaufbauten der Anlage. Nach dem Ersten Weltkrieg ging die Burg Sooneck in den Staatsbesitz über; nach dem Zweiten Weltkrieg kam sie an das Land Rheinland-Pfalz und ab 1948 an die Staatliche Schlösserverwaltung Rheinland-Pfalz.

Von hier ging es für uns dann in Niederheimbach auf die Autofähre. Diese kostet für ein Auto (inkl. Fahrer) 4,80 EUR und für jeden Beifahrer 1,50 EUR. Die Fähre fährt im regelmäßigen Takt, sodass die Wartezeiten sehr kurz sind.

Rechtsrheinisch von Lorch nach Eltville am Rhein

Nachdem wir mit der Fähre in Lorch angekommen waren, ging unsere Route weiter in Richtung Süden. Immer am Rhein entlang haben wir die Strecke von Assmannshausen bis Eltville mit all ihren Sehenswürdigkeiten und Fotospots näher erkundet.

Assmannshausen

Assmannshausen ist ein kleiner, malerisch gelegener Ort direkt am Rhein mit gerade einmal 1.000 Einwohnern. Sowohl der Tourismus als auch der Weinbau prägen den „Rotweinort“. Die Gemeinde verfügt mit 75 Hektar Rebfläche über die größte zusammenhängende Spätburgunderfläche Deutschlands. Die Reben wachsen hier in sonnenverwöhnten Steillagen direkt über dem Rhein, deren schieferhaltiger Boden für einen besonders rassigen Wein sorgen. Eine touristische Attraktion im Ort ist eine Fahrt mit dem Sessellift zum Jagdschloss Niederwald. Während der Fahrt hat man einen weiten Blick über das Mittelrheintal bei Rüdesheim, Bingen, die Nahe und Bingerbrück. Oben angekommen gelangt man über einen etwa 30-minütigen Wanderweg zum Niederwalddenkmal.

Ruine Burg Ehrenfels

Auf halber Strecke zwischen Assmannshausen und Rüdesheim befindet sich die Ruine der Burg Ehrenfels, die einst eine knapp 600 qm große Zollburg war. Übrig geblieben sind die 4,6 m dicke und 20 m hohe Schildmauer mit ihren zwei 33 m hohen Ecktürmen sowie Reste des Palas und eines Torbaus. Wandert man den Rheingauer Rieslingpfad entlang, passiert man die Burgruine, die für Besucher heute aber nicht mehr zugänglich ist.

Rüdesheim am Rhein

Die Winzerstadt Rüdesheim am Rhein ist die wohl am meisten besuchte Stadt im Rheingau: Alljährlich drängen sich mehr als 3 Millionen Besucher durch die Gassen des Städtchens, das gerade einmal etwa 10.000 Einwohner hat. Hier an einem Feiertag einen freien Parkplatz zu finden, grenzt schon an ein Wunder 😉

Unser Auto haben wir in der Nähe der Brömserburg abgestellt, die die älteste Burg im UNESCO-Welterbe „Oberes Mittelrheintal“ ist. Derzeit kann man die Burg aufgrund von Restaurationsarbeiten noch nicht wieder besichtigen, allerdings kann man bei schönem Wetter die Atmosphäre im Garten der Burg bei Drinks & Snacks genießen. In unmittelbarer Nähe zur Brömserburg befindet sich die Boosenburg, von der noch der 38 m hohe Turm erhalten geblieben ist. Seit 1938 ist die Burg im Besitz der Weinkellerei Carl Jung, zu der auch ein wunderschöner Rosengarten gehört.

Von hier sind wir die Rheinuferpromenade entlanggelaufen, bis zu einer Abzweigung, die uns in die berühmte Drosselgasse geführt hat. In der 2 m breiten und etwa 144 m langen, kopfsteingepflasterten Straße befinden sich zahlreiche Weinschenken sowie Geschenkartikel- und Souvenirläden. Weitere Sehenswürdigkeiten in Rüdesheim sind der Klunkhardshof aus dem 15. Jahrhundert, eines der ältesten Gebäude der Stadt, der Marktplatz, die Pfarrkirche St. Jakob aus dem 15. Jahrhundert sowie die Seilbahn, die zum Niederwalddenkmal führt.

Für unseren Rundgang durch Rüdesheim haben wir etwa eine Stunde benötigt. Wer sich noch in Ruhe in ein Restaurant oder ein Café setzen und das bunte Treiben auf den Straßen beobachten möchte, sollte für einen Besuch mehr Zeit einplanen.

Niederwalddenkmal

Hoch über der Stadt Rüdesheim thront das 38 m hohe und 75 t schwere Niederwalddenkmal. Es liegt am Rand des Landschaftsparks Niederwald und zu seinen Füßen befinden sich die Weinhänge des Rüdesheimer Berges. Das nach 6-jähriger Bauzeit im Jahr 1883 eingeweihte Denkmal soll an den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 und die anschließende Gründung des Deutschen Kaiserreiches am 18. Januar 1871 erinnern. Das Denkmal besteht aus mehreren unterschiedlichen Plastiken und Reliefs, u.a. aus der 12,5 m hohen Germania, die auf einem Sockel steht.

Um von Rüdesheim zum Niederwalddenkmal zu gelangen, gibt es verschiedene Möglichkeiten:

Seilbahn: Von der Innenstadt Rüdesheims kann man ganz bequem in einer Gondel hoch zum Denkmal fahren. Der Preis für ein Hin- und Rückfahrticket beträgt 9 EUR.
Wanderung: Wer gerne aktiv sein möchte, folgt ab Rüdesheim einfach dem markierten Zuweg des Rheinsteigs hoch zum Niederwalddenkmal. Der Weg führt durch die wunderschönen Weinberge und dauert je nach Gehtempo etwa 30 bis 40 Minuten.
Auto: Von Rüdesheim gelangt man innerhalb von 7 Minuten mit dem Auto zum Parkplatz nahe des Niederwalddenkmals. Die Parkgebühren betragen 4 EUR, allerdings kann man hier für den Preis den ganzen Tag parken.

Oben angekommen sollte man einen Besuch des Rundtempels im Landschaftspark Niederwald nicht verpassen. Und das Beste ist: Von allen Punkten wird man mit einem weiten Blick in das Rhein- und Nahetal belohnt 😊

Schloss Johannisberg & Oestricher Kran

Das Schloss Johannisberg ist ein traditionsreiches, etwa 35 Hektar großes Weingut in Geisenheim, das zu den besten des Rheingaus zählt. Hier wird ausschließlich Riesling angebaut.

Direkt am Rheinufer gelegen, befindet sich 5 km von Schloss Johannisberg entfernt der Oestricher Kran. Der barocke, hölzerne Hafenkran wurde früher überwiegend zur Verladung von Weinfässern, aber auch von anderen Gütern wie Baumstämmen auf Rheinschiffe eingesetzt.

Kloster Eberbach

In der Nähe von Eltville liegt das Kloster Eberbach, eine ehemalige Zisterzienserabtei mit einer knapp 900-jährigen Geschichte. Das für seinen Weinbau berühmte Kloster war eine der ältesten und bedeutendsten Zisterzen in Deutschland und zählt heute mit seinen romanischen und frühgotischen Bauten zu den bedeutendsten Kunstdenkmälern Europas.

Träger des Klosters ist eine gemeinnützige Stiftung, die sich um den Betrieb und Unterhalt des Klosters kümmert, d.h. es fließen keine Steuergelder in die Einrichtung. Um die Kosten von etwa 10.000 EUR pro Tag für das Kloster zu erwirtschaften, ist die Stiftung deshalb auf Eintrittsgelder, Parkgebühren, Mieteinnahmen und Spenden angewiesen.

Nachdem wir den Eintrittspreis von 9,50 EUR pro Person gezahlt haben, sind wir über einen markierten Rundgang alleine über die weitläufige Anlage gelaufen. Weltweit bekannt geworden ist das Kloster Eberbach übrigens aufgrund des Films „Der Name der Rose“ (DVD bei Amazon), der 1986 teilweise in dem Kloster gedreht wurde.

Eltville am Rhein

Der letzte Stopp unseres Tagesausflugs führt uns nach Eltville am Rhein, mit 17.000 Einwohnern die größte Stadt im Rheingau. Das Wahrzeichen der Stadt ist die Kurfürstliche Burg, die unmittelbar am Rheinufer liegt. Leider war die komplette Burg eingerüstet, als wir hier zu Besuch waren, sodass wir leider kein Foto machen konnten.

Umso mehr Zeit hatten wir, um durch die schönen, kopfsteingepflasterten Gassen zu laufen, in denen viele Fachwerkhäuser stehen. Nicht umsonst liegt Eltville auf der deutschen Fachwerkstraße, die auf rund 3.500 km Länge einmalige Landschaften, geschichtsträchtige Schauplätze und liebevoll restaurierte Denkmale miteinander verbindet.

Tipp: In der Burgstraße befindet sich eine Reihe sehr fotogener Fachwerkhäuser 😊
guest
0 Kommentare
Inline Feedbacks
View all comments